Archiv der Kategorie 'Repression'

Beware of the Zivilpolizei

In den letzten Tagen kam es in der Umgebung des Geländes zu einer erhöhten Präsenz von Zivilpolizisten. Jede auch noch so kleine Gesetzesüberschreitung (Fahrrad angeblich nicht verkehrssicher, Telefonieren beim Fahrradfahren etc. pp.) wurde als Vorwand genutzt, Personalien festzustellen. Gegen einen vor dem Gelände aufgegriffenen Menschen werden juristische Schritte wegen angeblichen Hausfriedensbruchs eingeleitet.

Wenn ihr uns besuchen kommt, achtet also bitte darauf, dass ihr euch speziell in der Nähe des besetzten Geländes möglichst gesetzeskonform präsentiert, um der Polizei keine Angriffsfläche zu bieten. Achtet auf verdächtige Pkw in Hausnähe (die Zivilpolizei-Streifenwagen sind meist mit zwei Leuten besetzt). Versichert euch vor dem Betreten und beim Verlassen des Geländes, dass man euch nicht aus Fahrzeugen heraus beobachtet. Bringt euch ein Tuch o.ä. mit, um euch ggf. schnell vermummen zu können, während ihr euch auf dem Gelände befindet (es kam schon vor, dass Polizisten durch das Tor fotografiert haben).

Im Zweifelsfall könnt ihr immer das Infotelefon anrufen; die Leute dort wissen meistens bescheid, ob und wo sich gerade Polizisten in Hausnähe rumtreiben.

RTS/Fahrraddemo

Nachdem heute Morgen Zivilpolizisten versuchten, auf’s Gelände zu gelangen und die Personalien von zwei Leuten aufnahmen, fand am späten Nachmittag eine friedliche Fahrraddemo im Magdeburger Innenstadtbereich statt. Der Individualverkehr wurde an vielen Stellen effektiv und in massivster Weise behindert. Unsere Enttäuschung über den Umgang des Landes und der Stadt mit uns taten wir lauthals kund, um zu verdeutlichen: Provokationen wie jene am Morgen werden nicht ohne Antwort bleiben.

Beim Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, dessen Zuständigkeitsbereich die MDSE (Eigentümerin des besetzten Geländes) seit 2002 zugeordnet ist, wurde ein Zwischenstopp eingelegt: Der Eingangsbereich des Gebäudes wurde kurzzeitig durch die AktivistInnen okkupiert und beim Verlassen mittels Absperrband zur Sperrzone erklärt. Zur Erleuchtung der MitartbeiterInnen ließen wir einige Flyer da, die unser Anliegen beschreiben. Die übrigen Flyer wurden an Interessierte am Rande der Demo verteilt.

Zu Beginn der Demo Magdeburg STEHT hinter uns!

Flyer-Verteilung Aktive politische Partizipation im Ministerium.

Abgesperrt!

Die bevorstehende Räumung

Seit dem Scheitern der so genannten Verhandlungen mit der (bezeichnen wir es besser als Diktat durch die) MDSE ist das besetzte Haus in der Freien Straße akut räumungsbedroht. Wir erwarten die gewaltsame Räumung jeden Tag und bereiten uns darauf vor. Dennoch wissen wir nicht, wann es soweit sein wird – morgen? Übermorgen? Oder „erst“ nach den Stadtratswahlen am Sonntag, wenn die Schäfchen der machtpolitischen Lokalpolitiker im Trockenen stehen?

playing with fireDer bisherige Verlauf der Hausbesetzung hat viele überrascht – auch uns selbst. Seit 19 Tagen ist die alte Villa Anlaufpunkt für eine Menge unterschiedlicher Menschen, ist kultureller Veranstaltungsort und politischer Freiraum für vielfältige Aktivitäten. Die Besetzung gab etlichen Menschen ein Gefühl dafür, was es bedeuten würde, ein libertäres Wohn- und Projekthaus in Magdeburg aufzubauen, dort zu leben und sich aktiv einzubringen. Dieses Gefühl ist nicht räumbar.

Dazu gab es Gespräche auf verschiedenen Ebenen über mögliche Perspektiven des Libertären Zentrums. Wir haben den Diskurs über selbstorganisierte linke Freiräume in Magdeburg neu entfacht und etliche UnterstützerInnen gewonnen.

I get knocked down
But I get up again
You‘re never going to keep me down!

(von: Chumbawamba – Tubthumping)

Strassen, Plätze, HäuserSo sehr wir uns auch an die sommerlichen Annehmlichkeiten der Villa gewöhnt haben mögen, eines steht dennoch fest: Der Kampf für ein Libertäres Zentrum in Magdeburg würde nicht mit der gewaltsamen Räumung dieses einen befreiten Hauses enden – er wird danach erst richtig beginnen. Wir sind fest entschlossen, unsere Kampagne weiterzuführen und werden keine Ruhe geben, bis wir unser Ziel erreicht haben.

In den vergangenen Wochen bekamen wir viel Besuch aus anderen Städten und zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Für den Tag X der Räumung werden in mehreren Städten Soliaktionen vorbereitet. Wir sind dankbar dafür und hoffen, dass wir gemeinsam unsere Freiräume verteidigen können.

WIR BLEIBEN ALLE

We call it ‚Kahlschlag‘

In den Morgenstunden des 28. Mai wurden hinter dem Zaun des brachen Deutsche Bahn (DB) Geländes, das an der Freien Straße dem Eingangstor der besetzten Villa gegenüber liegt, mit einer Motorsäge auf einer Breite von etwa 10 Metern Sträucher und kleinere Bäume umgehackt (siehe Bilder). Da am Vortag das Tor des bisher kaum frequentierten Bahngeländes aus einem DB-PKW heraus per Schlüssel geöffnet wurde, liegt es auf der Hand zu vermuten, dass diese Aktion mit Genehmigung der DB statt findet. By the way, auch die DB besitzt bundesweit etliche leerstehende Häuser.

Kahlschlag Kahlschlag

Im Anschluss wurde vom DB Gelände aus auf den Vorhof der Villa fotografiert, höchstvermutlich durch einen Polizeifotografen um Personen zu identifizieren, damit sie später wegen Hausfriedensbruchs belangt werden können. Durch lautes Rufen konnte der Fotograf jedoch in die Flucht getrieben werden. Die Macht des Wortes wirkt also noch.

Banausen!

Die BesetzerInnen sehen dieses Vorgehen als unnötige Provokation an. Zudem wurde durch das unfachmännische Abholzen der bisher sehr hübschen Grünpflanzen das ästhetische Empfinden der schöngeistigen VillenbewohnerInnen grob verletzt. Sie sehen es als einen Ausdruck von Unkultur und Banausentum. Nachdem die ehem. Gruson-Villa als historisch markantes Gebäude der Stadt Magdeburg jahrelang dem Verfall überlassen wurde, wird nun offenbar eine erweiterte Kahlschlagstrategie gefahren, die den Aufenthalt dort z.B. bei Veranstaltungen vergällen soll. Als Überwachungsmechanismus zur Einschüchterung und Unterbindung übergroßer Freiheitstendenzen in Fortsetzung des Helikoptereinsatzes am 26. Mai.

Was folgt als nächstes?

Was folgt nun als nächstes? Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange? Großflächige Planierung der Areale um die Villa herum? Anschließendes Anlegen einer gigantischen Betonfläche, auf der Personen auf hunderte Meter Entfernung hin abfotografiert werden können? Ausrufen einer Bannmeile um das zukünftige Libertäre Zentrum? Errichtung einer Mauer dort herum mit Checkpoints und MP im Anschlag?

Besucher der Villa werden gebeten, Transparente, Planen oder Tücher mitzubringen, die als straßenseitiger Sichtschutz dienen können oder unerwartet andere kreative, selbstverständlich gewaltfreie Einfälle gegen den Kahlschlag zu haben.

Räumung droht

Seit dem 16. Mai ist die ehemalige Industriellenvilla in der Freien Straße besetzt. Die BesetzerInnen wollen dort ein Libertäres Zentrum errichten. Nun scheint das Projekt sehr bald durch die Polizei geräumt zu werden.

11 Tage besetztes Haus

In der letzten Woche gab es fast jeden Tag Veranstaltungen auf dem besetzten Gelände: tägliche Vokü, eine Lesung, Kreativwerkstätten und am Samstag ein Fest mit Hip-Hop-Konzert. Innerhalb dieser kurzen Zeit entwickelte sich das Haus zu einem Anlaufpunkt für Magdeburg: tagsüber wurde am Gebäude gebaut und das Gelände gestaltet, Abends trafen sich immer dutzende Menschen, um am Feuer zu sitzen. Viele UnterstützerInnen besuchten uns in dieser Zeit: an dieser Stelle vielen Dank nach Erfurt, Berlin und all die anderen Städte!

Reaktionen und Gespräche

Auf die Besetzung gab es von den verschiedensten Seiten Reaktionen. Es gab einiges an Medienaufmerksamkeit, unter anderem berichtete der MDR.
Mehrere Vereine und die Stadtratsfraktion der Grünen sprachen sich für das Anliegen der Freiraumkampagne aus und unterstützten die BesetzerInnen auf verschiedene Art und Weise.
Es wurde ein Gespräch vorbereitet, zu dem VertreterInnen der Stadt, verschiedener Ämter und Vereine zusammen mit den BesetzerInnen über eine mögliche Legalisierung beraten werden.

Die Eigentümer

Das Gelände gehört der MDSE, welche sich wiederum zu 100% im Besitz des Landes Sachsen-Anhalt befindet. Die Eigentümer setzten einerseits auf Deeskalation und signalisierten Gesprächsbereitschaft. Andererseits stellten sie Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs und bereiteten damit die Grundlage für eine Räumung. Gestern lief die Frist aus, bis zu der die MDSE ihren Strafantrag hätte zurückziehen sollen. Nun scheint die Polizei die Entscheidung in ihren Händen zu sehen und wird wahrscheinlich demnächst versuchen, zu räumen. Aus verschiedenen Quellen wurde dies bestätigt. Die BesetzerInnen rechnen mit einer Räumung am Mittwoch oder Donnerstag.

Tag X

Am Tag der Räumung wird es verschiedene Aktionen in Magdeburg geben, um unserer Wut und unseren Wünschen Ausdruck zu verleihen.

An unsere UnterstützerInnen aus anderen Städten:

Wir rufen euch zu vielfältigen Aktionen in euren Städten auf: Werdet aktiv und verteidigt selbstorganisierte Freiräume!

WIR BLEIBEN ALLE

Polizeihubschrauber überfliegt Gelände

Gestern Nachmittag überflog ein mit einer Kamera ausgerüsteter Polizeihubschrauber mehrfach das besetzte Gelände. Hier ein kurzes Video und zwei Fotos dazu. Abgesehen von dieser Aktion trat die Polizei in den letzten Tagen im Übrigen nicht in Erscheinung.

Polizeihubschrauber über dem Gelände Polizeihubschrauber über dem Gelände, 2

Update

Das Straszenfest klingt langsam aus und die Villa ist weiterhin besetzt. Die Cops versuchten einmal, ins Gebäude zu kommen, scheiterten jedoch. Seitdem halten sie sich sehr zurück. Morgen ist ab 15 Uhr eine Kundgebung angemeldet: es wird eine Infoveranstaltung der Wir bleiben alle! Kampagne und ein Konzert mit ner Band dem Geigerzähler aus Berlin geben.

Falls morgen früh geräumt wird, sind Aktionen in der Stadt geplant. Infos gibt’s weiterhin über die Infonummern 01577 9033813 und 01577 9033815.

Vielen Dank an die UnterstützerInnen aus Magdeburg und anderswo!