Archiv für Juli 2009

LET‘S PUSH THINGS FORWARD

Vor einer Woche setzten wir mit der Freiraumdemo unsere Kampagne „Für ein Libertäres Zentrum Magdeburg“ fort. Als Reaktion gab es einen Artikel in der Volksstimme – diesmal keine kopierte Polizeimeldung, sondern selber recherchiert und geschrieben. Glückwunsch an die Redaktion!

Evil Hase Am Freitag beteiligten wir uns mit Küfa (Küche für alle) und einem Siebdruckstand am Straßenfest in der Klosterbergestraße in Buckau. Das Fest machte einen für Magdeburger Verhältnisse angenehm vielfältigen und bunten Eindruck.

Samstag unterstützten wir die Traceure von Senshi Parkour Magdeburg bei ihrem Urban Sports Festival. Senshi Parkour setzt sich „für mehr Leben und ‚Urban Sports‘ auf den Straßen und eine gleichberechtigte und respektvolle Nutzung des öffentlichen Raumes“ ein.

Wir sehen die Notwendigkeit eines selbstorganisierten politischen und kulturellen Freiraums in Magdeburg mehr als je zuvor. Die Kampagne geht weiter und wir erwarten die baldige Eröffnung des Libertären Zentrums Magdeburg. In diesem Sinne veröffentlichen wir hier den Redebeitrag, der auf der Abschlusskundgebung am 18. Juli in der Nähe der ehemals besetzten Poliklinik gehalten wurde:

Wir befinden uns hier am Bahnhof Buckau. Einige von euch erkennen diesen Ort vielleicht wieder. Er ist nämlich gerade mal 200 Meter Luftlinie entfernt von dem Ort, wegen dem wir hier sind. Wir befinden uns gerade so nah an der Villa, dass ich es für sehr wahrscheinlich halte, dass die dort ausharrenden Securities jedes meiner Worte verstehen. Und doch sind wir gerade verdammt weit weg von unserem Libertären Zentrum. Denn leider seid ihr alle nicht zur Feier des Zweimonatigen des Squats in der Freien Strasse gekommen. Ihr seid hier, weil wir gezwungen wurden, das Libertäre Zentrum in der Freien Strasse aufzugeben. Weil wir uns einer Repression ausgesetzt sahen, die so massiv und gewaltsam war, dass sie uns aus unserem Traum davon, einen Freiraum entstehen zu lassen, unsanft geweckt hat.
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Treffen ab jetzt im BUND

Ab sofort treffen wir uns freitags in den Räumlichkeiten des BUND in der Olvenstedter Str. 10.

Im Hof des Forums Gestaltung (beim Umsonstladen) findet in der nächsten Woche das Theaterstück Olvenstedt probierts! statt.

Freiraumdemo am 18. Juli 2009

Unsere und eure Demonstration „Für ein Libertäres Zentrum in Magdeburg – für selbstorganisierte Freiräume in Magdeburg und überall“ wird von der Kampagne als großer Erfolg angesehen. Die erste Magdeburger Freiraumdemo seit Jahren verlief kraftvoll, bunt und friedlich; die über 200 TeilnehmerInnen, von denen manche über große Entfernungen angereist waren, hatten über vier Stunden lang eine Menge Spaß miteinander.

Ein schwarzbunt gemischter, teils kostümierter Haufen bewegte sich nach der Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof (mit einem Redebeitrag zur Situation bis Anfang Juli) durch die Innenstadt und zeigte staunenden Magdeburgern, wie vielfältig die Unterstützung für das künftige Zentrum ausfällt. Gleichzeitig aber auch, dass die kalte Räumung durch die Übergriffe der Polizei Anfang Juli nicht den Stillstand des Projektes „Libertäres Zentrum“ bedeutet. Im Gegenteil: Ein „Kreatives Zentrum“ lebt auf den Straßen Magdeburgs und in unseren Köpfen weiter – bestimmt bekam auch der ein oder andere Passant Lust auf mehr Abwechslung im Alltag. Über eine Zwischenkundgebung am Hassel gings weiter zum Buckauer Bahnhof, wo die Demo ihren Abschluss fand, jeweils mit weiteren Redebeiträgen.

Die persönliche Anwesenheit einiger Vertreter etablierter Verbände sorgte sicher mit für eine gewisse Zurückhaltung bei der Polizeieskorte. Von den altbekannten Herren der Staatsschutzabteilung wurde allerdings erneut aus einem PKW heraus in die Demo fotografiert – warum eigentlich immer diese Provokationen? Oder sind die Schnappschüsse vielleicht nur für’s private Fotoalbum gemacht worden, um sich später an diese schöne und gelungene Demonstration libertären Lebens erinnern zu können?

Libertäres Zentrum kommt – wenn nicht heute, dann eben morgen.

Vielen Dank an alle, die an der Demo teilgenommen und uns unterstützt haben! Vor allem auch für die vielen veganen Sandwiches :wink:.

Weitere Fotos könnt ihr in unserem Picasa-Webalbum finden.

18. Juli: Für Freiräume – Gegen Nazis

link

Am frühen Sonntagmorgen (12.7.) verletzten vier Neonazis einen 22jährigen Neuköllner am S-Bhf. Frankfurter Allee lebensgefährlich. Als Reaktion auf diesen und andere Übergriffe findet am Samstag um 18 Uhr eine Demonstration in Berlin Friedrichshain statt [Aufruf zur Demo]. Wir solidarisieren uns mit dem Widerstand gegen Nazis und rufen dazu auf, im Anschluss an die Freiraumdemo in Magdeburg gemeinsam nach Berlin zu fahren.

Der Zugtreffpunkt ist 15:30 Uhr am Bahnhof Buckau. Dort wird auch die Abschlusskundgebung der Freiraumdemo stattfinden.

Siempre Antifascista!

Sponti für die Freiraumdemo am 18. Juli

Der Mensch mit dem Schweif. Heute versammelten sich etwa 40 FreiraumaktivistInnen in der Magdeburger Innenstadt, um auf die Demonstration am nächsten Samstag aufmerksam zu machen. Zuerst wurden auf einer zentral gelegenen Wiese etliche Transpis, Tapetenrollen und Ganzkörperanzüge bemalt. Die Kreativwerkstatt dauerte etwa 2 Stunden. Danach zogen die AktivistInnen mit einer Spontandemonstration unangemeldet durch die Magdeburger City. Besonders geeignet für die Sponti zeigten sich die beiden Shoppingmeilen „City Carré“ und “Allee-Center“: Dank der tollen Akustik konnten die dort Einkaufenden angemessen laut über die Demo informiert werden.

Am Alten Markt solidarisierte sich der Altmagdeburger Otto von Guericke mit den DemonstrantInnen und die MVB stellten ihr zentrales Verkaufshäuschen für ein Freiraum-Transparent zur Verfügung. Nach einer guten Stunde endete die Sponti ohne irgendwelchen Stress – sowohl die privaten Securitys als auch die Cops vom BGS von der BPOL verhielten sich angenehm zurückhaltend. Alles in allem eine gelungene Aktion, die Lust auf mehr macht.

Heute ist nicht alle Tage – wir kommen wieder, keine Frage!

Samstag, 18.07.2009:
Demo für selbstorganisierte Freiräume in Magdeburg und überall
12 Uhr Auftaktkundgebung am Hbf / 13 Uhr Demobeginn

Beim Kaffee-Kaufen. ;) Am Alten Markt.

Otto. Transpi.

Vor dem Allee-Center. In der Mall.

In der Mall, II. In der Mall, III.

Gegen den Strom.

In der Mall, IV. In der Mall, V.

Kein Schritt zurück! Damit du groß und stark wirst.

Hallo! Vor der WOBAU.

MVB-Support. Kulturelles Zentrum Magdeburg.

Aufruf zur Freiraumdemo am 18. Juli

Flyer freiraumdemo 200907In der Nacht vom 1. zum 2. Juli wurde die Besetzung der Gruson-Villa in Magdeburg nach mehr als 6 Wochen abgebrochen. Dieser Entschluss wurde getroffen aufgrund der massiv zunehmenden Repression im unmittelbaren Umfeld des Hauses.

Seit dem 30. Juni riegelten Polizeikräfte rund um die Uhr das Gelände ab und unterbanden jeden Verkehr ums Haus mithilfe von willkürlichen Platzverweisen und gewalttätigen Übergriffen. Eine Kontaktaufnahme wurde massiv behindert und die Versorgung mit Lebensmitteln und vor allem Wasser zeitweise verweigert. In Anbetracht dieser Lage war fest mit einer Eskalation zu rechnen. Durch praktische Solidarität von UnterstützerInnen gelang es den verbliebenen HausbesetzerInnen zu entkommen, ohne von den Polizeikräften gestellt zu werden.

Das Haus in der Freien Strasze 23 entwickelte sich in dieser kurzen Zeit zu einem wichtigen Anlaufpunkt für verschiedenste Menschen, die eine Alternative zum Leben im Alltagstrott suchten und dort gefunden haben. Das besetzte Haus wurde zu einem Ort der Selbstorganisation, indem Menschen zusammen lebten und vielfältige kulturelle und politische Veranstaltungen ermöglichten. Diese rasante Entwicklung hat uns und unseren UnterstützerInnen gezeigt, wie unglaublich wichtig und notwendig ein unabhängiger und unkommerzieller Freiraum in Magdeburg ist. Diese Notwendigkeit ist jedoch nicht allein auf Magdeburg beschränkt, sondern überall im gleichen Masze vorhanden. Trotzdem sind die wenigen bestehenden Freiräume gefährdet und ständig massiver Repression ausgesetzt.

Aus diesem aktuellen Anlass rufen wir euch auf mit uns bunt, entschlossen, kreativ und kraftvoll für Freiräume in Magdeburg und überall auf die Strasze zu gehen, um unseren Protest und unsere Wut lautstark kundzutun.

KOMMT ALLE AM 18. JULI 2009 NACH MAGDEBURG UND BRINGT MIT UNS DIESE MIESEN VERHÄLTNISSE ZUM TANZEN!

United we stay! Squat the world! Wir bleiben alle!

18. Juli / 12 Uhr Auftaktkundgebung / 13 Uhr Demobeginn / Hauptbahnhof Magdeburg

Wir haben diesen späten Termin gewählt, weil wir uns mit den Protesten gegen den G8-Gipfel in Italien und den Gegenaktionen zum NPD-Treffen „Rock für Deutschland“ in Gera solidarisieren.

Vortreffpunkt in Berlin ist um 9:40 Uhr am Gleis 7 Ostbahnhof.

Flyer Freiraumdemo MD, Juli 2009 (PDF)
Aufruf Freiraumdemo MD, Juli 2009 (PDF)

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L!Z Magdeburg kommt

Der folgende, gut geschriebene Indymedia-Artikel wird hier mit minimalen, nicht sinnentstellenden Veränderungen wiedergegeben. Er stellt allerdings die Meinung seiner VerfasserIn „L!ZZY“ dar und nicht zwangsläufig die des Plenums der Kampagne.

L!Z Magdeburg wird Wirklichkeit…
Kampagne für ein Libertäres Zentrum geht weiter…
Sechs Wochen erfolgreiche Hausbesetzung in Magdeburg…
Wer hätte das gedacht?

Die sechswöchige Besetzung der Freien Straße in Magdeburg im Rahmen der „Kampagne für ein Libertäres Zentrum“ ist erstaunlich erfolgreich verlaufen. Wer hätte in Magdeburg gedacht, dass es tatsächlich möglich wäre, für sechs Wochen einen Freiraum in dieser Art zu errichten? Welche linken Zusammenhänge in anderen Städten hätten gedacht, dass aus Magdeburg auch mal von einer erfrischenden Aktion und nicht nur von unproduktiven Diskussionen zu hören ist? Schon alleine deshalb war die Besetzung der Freien Straße in Magdeburg ein sehr gelungener Auftakt zur Schaffung eines Libertären Zentrums in Magdeburg.

Ja, die Besetzung der Freien Straße in Buckau war erst der Anfang und mit dem Ende der Besetzung des Gebäudes geht die „Kampagne für ein Libertäres Zentrum“ in eine neue Phase über. In den vergangenen Wochen konnten Kontakte geknüpft, Erfahrungen gesammelt und das berechtigte Anliegen teilweise verbreitet werden. Dies hat die Kampagne gestärkt und ist ein erster Schritt zur Verwirklichung des Ziels.

Kritik an den AktivistInnen, die das Haus nach einer mehrtägigen Polizeiblockade verlassen haben, steht Aussenstehenden nicht zu. Letztlich sollen die Personen Entscheidungen treffen, die auch ihren Kopf hinhalten. Darüberhinaus war es geradezu amüsant, dass alle BesetzerInnen trotz der Polizeiblockade entschlüpfen konnten. Wer hätte damit gerechnet? Die Polizisten sicherlich nicht.

Dass Entscheidungen über Alternativobjekte nicht innerhalb einer kurzen Frist und an Bedingungen geknüpft getroffen werden können, versteht sich von selbst. Es geht ja auch nicht darum, um jeden Preis einen Kompromiss mit Eigentümern, Land oder Stadt zu erreichen, sondern es geht um die Errichtung eines Libertären Zentrums in Magdeburg. Das ist ein berechtigtes und notwendiges Anliegen und welcher Preis – in ideologischer Sicht – dafür zu zahlen ist, bestimmen immer noch wir.

Bezeichnend und bei künftigen Aktionen zu berücksichtigen ist sicherlich die Berichterstattung in den abhängigen Medien. Neben der Volksstimme veröffentlichte bspw. auch die Leipziger Volkszeitung (LVZ) am 2. Juli die Pressemitteilung der Polizei Magdeburg nahezu wörtlich. Es wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass kritische Journalisten nicht wörtlich Pressemitteilungen der Polizei bei einem derartigen Sachverhalt übernehmen. Immerhin hätten Journalisten jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich direkt mit den AktivistInnen in Verbindung zu setzten, um auch deren Sicht der Dinge zu erfahren. So muss zumindest für die Zukunft mit einer einseitigen Berichterstattung der abhängigen Medien gerechnet werden.

Die letzten sechs Wochen haben erheblich dazu beigetragen, die Möglich- und Notwendigkeit eines Libertären Zentrums in Magdeburg aufzuzeigen. Die linke Szene in Magdeburg ist etwas in Bewegung gekommen und jetzt sollten wir in Bewegung bleiben. Es dürfte notwendig sein, den Unterstützerkreis auszuweiten. Hier könnte versucht werden, weitere kapitalismuskritische Subkulturen aus Magdeburg in die Kampagne einzubeziehen. Auch die überregionale Vernetzung könnte versucht werden auszubauen.

Die vergangenen sechs Wochen waren anstrengend, haben aber auch ziemlich viel Spaß gemacht. Bis wir ein eigenes Haus haben, sollten wir Temporäre Autonomen Zonen (TAZ) in Magdeburg koordiniert schaffen.

Mit solidarischen Grüßen…
Für TAZ…
Für ein Libertäres Zentrum in Magdeburg
WBA!

Richtigstellung des Polizeieinsatzberichtes [überarbeitet]

Die Pressestelle der PD Sachsen-Anhalt Nord, PRev Magdeburg, veröffentlichte einen Bericht über eine Demonstration am zum damaligen Zeitpunkt besetzten Haus in der Freien Straße in Magdeburg (Pressemitteilung Nr.: 321/09, Originaltext in einem Pastebin). Der Bericht gibt die Situation in grob verfälschter Weise wieder.

So heißt es dort:

Im Zusammenhang mit einer seit dem 06. Mai 2009 bestehenden Hausbesetzung in Magdeburg, Freie Straße, versuchte am 02.07.2009 gegen 01.00 Uhr eine Gruppe von 50 Sympathisanten dieser Hausbesetzer ebenfalls in das Gebäude zu gelangen. […] Durch ein schnelles Eingreifen der Polizei konnte ein Eindringen dieser Personen in das Gebäude verhindert werden.

Dazu stellen wir fest:
Die Besetzung fand unseres Wissens am 16. Mai statt.

Die an der Demonstration Beteiligten hatten zu keiner Zeit die Absicht oder den Versuch unternommen, in das Gebäude zu gelangen, sondern verharrten mehrere Minuten lang in der Nähe der Kreuzung Freie Straße/Marienstraße, wobei durch Sprechchöre, Benutzung von Paarbecken und das Trommeln an einem Metallzaun die Solidarität mit den BesetzerInnen bekundet wurde.

Zur Abwehr der Angreifer, welche mit Flaschen und Pyrotechnik auf die Polizeibeamten warfen und mit Knüppeln auf die Polizeibeamten einschlugen, musste kurzzeitig der Schlagstock eingesetzt werden.

Dazu stellen wir fest:
Es fand zu keinem Zeitpunkt ein Angriff in irgendeiner Form auf die anwesenden PolizistInnen statt. Knüppel wurden von keinem Demonstranten mitgeführt oder gegen die Polizei eingesetzt. Beim Beenden der Demonstration gingen tatsächlich zwei Flaschen zu Bruch, jedoch waren sie nicht auf PolizistInnen geworfen wurden.

Der Schlagstock wurde von einem einzelnen, äußerst aggressiv auftretenden Polizisten wahllos gegen friedliche Demonstranten eingesetzt.

(Ergänzung: Mittlerweile stellte sich heraus, dass sogar mehrere BeamtInnen den Schlagstock einsetzten.)

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde bei der Auseinandersetzung keine Person verletzt.

Dazu stellen wir fest:
Es scheint absurd, dass – wie vorher behauptet – Polizei und Demonstranten sich gegenseitig mit Knüppeln attackieren und niemand dabei verletzt wird.

Insbesondere wurden keine PolizistInnen verletzt. Hingegen wurden zahlreiche DemonstrantInnen während ihrer friedlichen Meinungsäußerung von BeamtInnen mit dem Schlagstock misshandelt. Sie trugen Quetschungen und Hämatome davon.

Den Polizeibeamten gelang es die Personengruppe zurückzudrängen, es erfolgte eine Identitätsfeststellung von 28 Personen, darunter befand sich eine, die bereits per Haftbefehl gesucht wurde.

Dazu stellen wir fest:
Es wurde versucht, die spontane Demonstration bei einem Beamten anzumelden. Dies wurde jedoch nicht ermöglicht. Die Demonstranten entschieden, ihre Zusammenkunft aufzulösen, um eine Eskalation und weitere Verletzte zu vermeiden.

Die Identitätsfeststellungen fanden nicht am Ort der Demonstration statt, sondern im gesamten Stadtgebiet Magdeburg-Buckau (und darüber hinaus). Dabei wurde in keinster Weise zielgerichtet vorgegangen, sondern die Personalien beliebiger Menschen aufgenommen.

Bei der per Haftbefehl gesuchten Person handelte es sich um einen Menschen, der Rechnungen für’s Schwarzfahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht fristgerecht begleichen konnte.

Um 14.30 Uhr des heutigen Tages wurde der Eigentümer des Objektes durch die Polizei darüber informiert, dass sich vermutlich keine Personen mehr im Objekt befinden. In Begleitung der Polizei betrat der Eigentümer das Haus, in dem sich keine Personen mehr befanden. Die Polizei übernahm die Spurensicherung und Dokumentation der entstandenen Schäden.

Dazu stellen wir fest:
Die Eigentümer des Geländes ließen das denkmalgeschützte Gebäude seit 15 Jahren verrotten. Viele Fenster waren zerstört, Dachrinnen defekt oder demontiert, Löcher im Dach, Elektroleitungen entfernt, Vandalismus hatte stattgefunden, da das Gebäude jahrelang offen stand. Die BesetzerInnen hingegen führten erst vor Kurzem ein Bauwochenende durch, in dessen Rahmen zahlreiche Reparaturen am Haus durchgeführt und das Gebäude dadurch aufgewertet wurde.

Es ist davon auszugehen, dass der Übergriff der Sympathisanten der Hausbesetzer in der vergangenen Nacht dazu dienen sollte, dass die 5 Hausbesetzer unerkannt flüchten konnten.

Dazu stellen wir fest:
Von einem Übergriff der DemonstrantInnen kann nicht die Rede sein. Vielmehr wurden diese von der Polizei angegriffen.

Im ersten Absatz des Polizeiberichtes wird behauptet, das Ziel der DemonstrantInnen sei gewesen, in das Gebäude zu gelangen – und nicht, wie hier, den BesetzerInnen eine Flucht zu ermöglichen.

Wir stellen also ferner fest:
Die Polizei sollte bei der Konstruktion absurder Beschuldigungen resp. Pressemitteilungen künftig sorgfältiger vorgehen. Grundrechtswidriges Verhalten wie Schlagstockeinsatz gegen friedliche Menschen lässt sich in subtilerer Weise rechtfertigen.

Besetzung beendet, aktuelle Situation

Rückblick auf die Repressionen der letzten Tage

In den letzten Tagen waren die AktivistInnen der Kampagne „Für ein Libertäres Zentrum in Magdeburg“ in zunehmendem Maße polizeilicher Repression und willkürlichen Gewaltakten ausgesetzt. Die öffentliche Wasserpumpe vor dem Gelände als einzige verfügbare Wasserquelle wurde außer Betrieb gesetzt. Ab 30. Juni wurde dann die regelmäßige Polizeipräsenz um das besetzte Gelände auf bis zu ca. 20 uniformierte und zivile Beamte erhöht. Gleichzeitig fanden permanente Personenkontrollen statt; Platzverweise für nahezu jeden, der sich dem Gelände näherte, wurden ausgesprochen. Menschen wurden massiv beleidigt, ohne Vorwarnung vom Fahrrad gezerrt und in einem Fall durch Zivilpolizisten in eine Pfütze gestoßen, an den Haaren gezogen und dermaßen körperlich angegangen, dass die Schuhe des einen aufplatzten. Zwei Aktivisten wurden nachts dazu genötigt, ihre T-Shirts mit angeblich gewaltverherrlichenden Aufdrucken („Good Night White Pride“) auszuziehen und an Polizisten zu übergeben.

Das Haus wurde dann durch die Polizei abgeriegelt, ein Hinein- und Herauskommen war unmöglich. Die abgeschotteten BesetzerInnen, die sich noch im Haus befanden, durften auf Anweisung anwesender Beamte zeitweise nicht mit Lebensmitteln versorgt werden, obwohl dies nach Kontaktaufnahme eines Stadtrates mit der zuständigen Polizeidirektion zugesagt worden war.

Bei einer friedlichen Demonstration in der Nacht auf den 2. Juli, bei der über 50 Menschen – überraschend für die Polizei – vor dem besetzten Gebäude ihre Solidarität mit den im Haus Verbliebenen bekundeten, setzte ein einzelner Beamter den Schlagstock gegen die Demonstranten ein.

Konsequenz

Durch den physischen und psychischen Druck wurde der Betrieb des Libertären Zentrums im besetzten Haus (Industrievilla in der Freien Straße 23 in Magdeburg) unmöglich gemacht. Daher wurden zunächst Wertgegenstände, die sich im Haus befanden (Stromgenerator, Werkzeug, Solaranlage u.v.m.) angesichts der akuten Räumungsbedrohung in Absprache mit der Polizei aus dem Haus geschafft. Auch dabei kam es zu einem Übergriff, als Polizisten entgegen der Vereinbarungen versuchten, auf das Gelände zu gelangen und dabei einen Aktivisten mit dem stählernen Eingangstor am Hals verletzten.

Die BesetzerInnen kamen ihrer Verantwortung für die UnterstützerInnen und sich selbst dadurch nach, indem sie beschlossen, das Gelände zu verlassen. In der Nacht auf den 2. Juli entschlüpften sie daher von der Polizei unbemerkt aus dem Gebäude.

Das Gebäude wurde am 2. Juli durch die Eigentümergesellschaft MDSE wieder in Besitz genommen. Inzwischen befinden sich Sicherheitsdienst und Polizei auf dem Gelände.

Zukunft des Projektes

In den vergangenen sechs Wochen wurde der Wunsch, in Magdeburg einen Freiraum für ein Libertäres Zentrum für politische, kulturelle und soziale Projekte zu schaffen, durch den Zuspruch der vielen BesucherInnen, KünstlerInnen und UnterstützerInnen bestätigt und verstärkt. Es wurden Konzerte gegeben, politische Veranstaltungen fanden statt, auch Lesungen und eine tägliche Volxküche. Viele handwerkliche Arbeiten wurden durchgeführt wie Reparaturen am Haus (Dach, Regenrohre, Fenster); Zusammenbau einer gesponsorten Photovoltaikanlage; Bau eines Lehmofens; erste Schritte zum Anlegen eines Gemüsegartens; Einrichtung eines Konzertraumes. Das besetzte Haus war ein Ort der Begnung für Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen.

Die Projekte konnten unter diesen Bedingungen jedoch nicht fortgeführt werden. Daher werden kreative Entfaltungsmöglichkeiten nun an einem anderen Ort geschaffen. Sondierungen über geeignete Objekte laufen bereits.

Die Idee des Libertären Zentrums ist nicht an ein bestimmtes Gebäude gebunden. Die Kampagne läuft weiter.

Wir bleiben alle!

Sondierungsgespräche [Update]

Am 1. Juli fand, auch als Reaktion auf den Offenen Brief an den Magdeburger OB Trümper, ein erstes Sondierungsgespräch mit H. Platz, Beigeordneter des Dezernates I, Kommunales, Umwelt und allgemeine Verwaltung, sowie mit einigen MitarbeiterInnen statt. Dabei waren zudem Vertreter der Jusos, die dieses Gespräch vermittelt hatten.

Es ging zunächst um die Vorstellung des Projektes „Libertäres Zentrum“ sowie um Detailfragen wie benötigte Flächen für Projekte und Wohnen. In der Folge wurden Möglichkeiten sondiert, über einen Rechtsträger eine (noch zu bestimmende) leerstehende Immobilie von der Stadt übernehmen zu können, wobei die Konditionen dafür noch zu vereinbaren sind. Herr Platz zeigte sich diskussionsbereit und sagte zu, unsere Standpunkte in den nächsten Tagen und Wochen an angemessener Stelle zur Sprache zu bringen und in Richtung einer Realisierung eines Projekthauses arbeiten zu wollen. Dies ist aus unserer Sicht ein vielversprechender Anfang.

Es muss betont werden, dass dieses Gespräch keine direkte Reaktion auf die aktuelle Belagerung dar stellt, sondern bereits früher vereinbart wurde.

Ebenfalls angesprochen wurden die unerträglichen, auch körperlichen Übergriffe von einigen Beamten verschiedener Polizeieinheiten (Staatsschutz, Bereitschaftspolizei) momentan am Squat. Deeskalierende Maßnahmen wurden angesprochen, können an dieser Stelle aber nicht publiziert werden.

[Update] Aus dem Volksstimme-Artikel vom 3. Juli 2009:

Holger Platz : “Auf der anderen Seite finde ich die Idee eines Libertären Zentrums sehr interessant und unterstützenswert. Wir haben deshalb auch zugesagt, mit der Wobau und anderen Trägern, einen geeigneten Standort zu finden, um das Konzept auf legale Füße zu stellen.„